Die Familienbeihilfe ist eine zentrale Unterstützung für Familien in Österreich. Sie soll helfen, die Kosten für Kinder abzufedern und Familien finanziell zu entlasten. Doch seit einigen Jahren zeigt sich ein Problem, das im Alltag vieler Eltern deutlich spürbar ist: Die Familienbeihilfe verliert an Kaufkraft.
Der Grund dafür ist die fehlende oder ausgesetzte Valorisierung – also die Anpassung der Familienleistungen an die Inflation. Obwohl die Beträge nominell gleich bleiben, können sich Familien real immer weniger darum leisten.
Was bedeutet das konkret im Alltag?
Offiziell heißt es von Seiten der Bundesregierung: "Niemand bekommt weniger Familienbeihilfe, es wird nichts gekürzt".
Das stimmt rein rechnerisch. Doch entscheidend ist nicht die Zahl auf dem Kontoauszug, sondern was man sich dafür kaufen kann.
Lebensmittel, Miete, Energie, Schulmaterialien, Kleidung oder Freizeitangebote für Kinder sind in den letzten Jahren deutlich teurer geworden. Wenn die Familienbeihilfe nicht im gleichen Ausmaß steigt, entsteht ein realer Wertverlust.
Oder anders gesagt: Die Unterstützung bleibt gleich, die Ausgaben steigen – die Lücke müssen Familien selbst schließen.
Wie hoch ist der Wertverlust für Familien?
Die Auswirkungen lassen sich anhand konkreter Beispiele gut veranschaulichen:
Eine Familie mit drei Kindern verliert durch die Nicht-Valorisierung der Familienbeihilfe und des Kinderabsetzbetrags rund 240 Euro pro Jahr. Das ist Geld, das im Familienbudget fehlt – etwa für dringend benötigte Winter- oder Sportschuhe, Schulmaterial oder Heizkosten.
Für ein Kind, das im Jahr 2026 geboren wird, bedeutet die fehlende Anpassung beim Kinderbetreuungsgeld einen Kaufkraftverlust von bis zu 900 Euro über die Bezugsdauer.
Insgesamt spart der Staat durch die Nicht-Valorisierung von Familienbeihilfe, Kinderabsetzbetrag und Kinderbetreuungsgeld im Jahr 2026 rund 200 Millionen Euro – getragen ausschließlich von Familien.
Darauf weist auch der Katholischer Familienverband Österreichs hin und versuchte die Absage der Valorisierung mit einer Petition zu stoppen.
Warum der Kaufkraftverlust langfristig immer größer wird
Ein zentrales Problem der fehlenden Valorisierung ist, dass der Wertverlust nicht nur einmalig wirkt, sondern sich über Jahre hinweg fortsetzt. Wird die Familienbeihilfe in einem Jahr nicht an die Inflation angepasst, dann ist das verlorene Niveau dauerhaft weg.
Kommt es in späteren Jahren – etwa ab 2028 – wieder zu einer Erhöhung, dann wird diese nicht auf dem ursprünglich notwendigen Wert, sondern auf dem bereits abgesenkten Niveau berechnet. Die Familienbeihilfe startet damit von einer zu niedrigen Basis. Der Kaufkraftverlust aus den Jahren davor bleibt bestehen und wirkt weiter.
Das bedeutet:
Jede ausgesetzte Valorisierung senkt den Ausgangswert für alle zukünftigen Anpassungen. Der finanzielle Nachteil für Familien summiert sich über die Jahre, selbst dann, wenn die Leistungen später wieder steigen. Für Familien ist das besonders problematisch, weil laufende Kosten – etwa für Wohnen, Energie oder Kinderbedarf – nicht zurückgehen, sondern dauerhaft höher bleiben.
Wie hoch wäre Ihre Familienbeihilfe mit Inflationsanpassung?

Die Familienbeihilfe wird monatlich gemeinsam mit dem Kinderabsetzbetrag von 70.9 Euro ausbezahlt, auch die Inflationsanpassung dieses Betrages wird bis 2028 ausgesetzt.

Bei dieser Berechnung wurde für 2026 eine Inflationserhöhung von 3,5 Prozent angenommen, für 2027 mit einem Prozentsatz v on 3,2 Prozent verwendet.
Warum Familien besonders betroffen sind
Familien tragen die Teuerung nicht nur bei den Familienleistungen. Sie sind gleichzeitig betroffen von:
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steigenden Wohn- und Energiekosten
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höheren Preisen für Lebensmittel und Alltagsgüter
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dem Wegfall von Entlastungsmaßnahmen wie dem Klimabonus
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Einsparungen im Gesundheits- und Sozialbereich
Je mehr Kinder in einer Familie leben, desto stärker wirken sich diese Entwicklungen aus. Während Singles oder kinderlose Haushalte Preissteigerungen oft leichter ausgleichen können, sind Familien strukturell stärker belastet, weil viele Kosten nicht beliebig reduziert werden können.
Warum die Valorisierung mehr ist als eine Budgetfrage
Familien sind kein Randthema der Budgetpolitik. Sie sichern die Zukunft unserer Gesellschaft, ziehen Kinder groß und ermöglichen langfristig den sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhalt.
Wenn Familienleistungen nicht an die Inflation angepasst werden, bedeutet das:
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eine schleichende Kürzung ohne formale Reduktion
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steigenden finanziellen Druck auf Eltern
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ein erhöhtes Risiko von Kinder- und Familienarmut
Langfristig ist das nicht nur ein Problem für betroffene Haushalte, sondern für die gesamte Gesellschaft.
Fazit
Die fehlende Valorisierung der Familienbeihilfe ist kein technisches Detail, sondern ein spürbarer Einschnitt im Alltag vieler Familien. Auch wenn niemand „weniger“ bekommt, verlieren Familien real an Kaufkraft – Jahr für Jahr.
Eine faire und nachhaltige Familienpolitik muss sicherstellen, dass staatliche Leistungen ihren Wert behalten. Gerade in Zeiten hoher Inflation ist das entscheidend, um Familien nicht weiter unter Druck zu setzen.
Als Katholischer Familienverband setzen wir uns seit über 70 Jahren für die Anliegen der Familien ein - wie etwa die regelmäßige Anhebung der Familienbeihilfe.
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Häufige Fragen (FAQ)
Was bedeutet „Valorisierung“ der Familienbeihilfe?
Valorisierung bedeutet, dass die Familienbeihilfe regelmäßig an die Inflation angepasst wird. Steigen die Preise, steigen auch die Leistungen – damit die Kaufkraft erhalten bleibt.
Wird die Familienbeihilfe gekürzt?
Formal nein. Der Auszahlungsbetrag bleibt gleich. Real gesehen handelt es sich jedoch um eine Kürzung, weil die steigenden Lebenshaltungskosten nicht ausgeglichen werden.
Wen trifft die fehlende Valorisierung besonders?
Vor allem Familien mit mehreren Kindern, Alleinerziehende und Familien mit geringem oder mittlerem Einkommen. Je mehr Kinder versorgt werden müssen, desto größer ist der finanzielle Effekt.
Warum wird nicht einfach automatisch angepasst?
Eine automatische Valorisierung ist eine politische Entscheidung. Wird sie ausgesetzt, spart der Staat Geld – allerdings auf Kosten der Familien.
Wie hoch ist der jährliche Verlust für Familien?
Das hängt von der Kinderzahl und den bezogenen Leistungen ab. Eine Familie mit drei Kindern verliert derzeit rund 240 Euro pro Jahr, bei Neugeborenen kann der Verlust beim Kinderbetreuungsgeld deutlich höher ausfallen.
Warum ist das Thema gesellschaftlich relevant?
Weil Familienleistungen kein „Bonus“, sondern eine Investition in die Zukunft sind. Wenn Familien finanziell unter Druck geraten, hat das langfristige Folgen für Kinder, Bildung und sozialen Zusammenhalt.

