Familie als Zukunftsprojekt – im Gespräch zum demografischen Wandel
„Die Fertilitätsrate pro Frau liegt bei 1.31 Kindern pro Frau, selbst ein kleiner Aufwärtstrend hinter dem Komma wäre ein Erfolg“, sagt Prof. Heinz Faßmann, der Präsident der österreichischen Akademie der Wissenschaften und stellt fest: „Die Elterngeneration wird nicht mehr durch eine Kindergeneration ersetzt und da ist etwas zu tun“. Er forderte die Politik auf, Maßnahmen zu treffen. um wieder mehr Mut zum Kind zu machen. Neben einem Ausbau der Kinderbetreuung und mehr Väterbeteiligung sieht er auch eine finanzielle Unterstützung der Familien als zentralen Faktor.
Familienpolitik zur Chefsache zu machen, wünscht sich auch Vincenzo Bassi. Der Italiener ist Vorsitzender der FAFCE, der Katholischen Familienverbände auf europäischer Ebene und stellt fest: „Wenn wir Milliarden für Panzer und Raketen als Investitionen in die Zukunft sehen, dann sind es erst recht die Mittel, die wir Familien zukommen lassen“, so seine Forderung und er stellt fest: „Denn ohne Kinder gibt es keine Zukunft, die es zu schützen gilt.“
Dem pflichtet auch Gudrun Kugler, Abgeordnete zum Nationalrat und Demografieexpertin, bei. Für die vierfache Mutter ist es zentral, jungen Menschen Mut zum Kind zu machen: „Wir wissen, dass nicht nur die Familien weniger Kinder bekommen, sondern vor allem weniger Menschen insgesamt Kinder bekommen, und da müssen wir ansetzen“, so Kugler und führt aus: „Von jenen, die kinderlos bleiben, wissen wir von einem Drittel, dass sie nicht vorhaben Kinder zu bekommen. Zwei Drittel könnten sich Kinder vorstellen, warten aber auf den optimalen Zeitpunkt und dann wird aus einem `noch nicht jetzt` ein `leider nie`“, so die VP-Abgeordnete.
Mehr Mut zur Familie und dabei auch Unvollkommenheit akzeptieren wünscht sich Familienbischof Hermann Glettler: „Familie ist vielfältig und bunt. Natürlich orientieren wir uns am Ideal aber wir müssen als Kirche die vielen Arten von Familien schätzen. Familie als Beziehungsraum, nicht nur als Versorgungssystem“, so der Familienbischof unddamit den Perfektionsdruck von den Familien nehmen will. Eine Ansicht, die auch Barbara Haid, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie, teilt: „Ihr seid gut genug als Eltern“, ist ihr Appell an jene Menschen, die in der Rush Hour des Lebens stehen. Sie wünscht sich eine Entschleunigung und thematisiert, dass ein gelingendes Familienleben Zeit benötigt, um sich gut entwickeln zu können.
Was motiviert Eltern tatsächlich, Kinder zu bekommen? Clarissa und Bernhard Pohorec erwarten gerade ihr viertes Kind, für sie sind Kinder ein wunderbares Geschenk: „Auch wenn das Leben sich ändert, ist jedes Kind ein Geschenk“, so Pohorec. Seine Frau Clarissa wünscht sich mehr Anerkennung und Wahlfreiheit: „Ich war bewusst zwei Jahre in Karenz bei jedem Kind. Das sollte respektiert werden“, so die bald vierfache Mutter. Eine Meinung, die sie mit Kugler, ebenfalls vierfache Mutter, teilt: „Ich möchte, dass Eltern sein mehr gesellschaftliche Anerkennung bedeutet. Ich möchte, dass die Leistung gesehen wird, die Eltern bringen“, so die Abgeordnete und wünscht sich hier ein Umdenken in der gesamten Gesellschaft.
Dem pflichten in der abschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Judith Tscheppe, ebenso alle bei, wie der grundlegenden Aussage, dass der Einsatz für steigende Geburtenraten zentral sei.
„Wir freuen uns, dass wir mit dieser Veranstaltung einen Nerv getroffen haben und werden weiterhin unermüdlich daran arbeiten, Mut zum Kind zu machen“, sagt Johannes Reinprecht, Direktor des Institut für Ehe und Familie und sechsfacher Vater. Sein Wunsch: „Ich wünsche mir eine echte Willkommenskultur für Kinder, dass Kinder als Reichtum unserer Familien und unseres Landes gesehen werden. Eine Gesellschaft, die Kinder willkommen heißt und Familien stärkt, investiert in ihre eigene Zukunft.“
Diesen Wunsch teilt er mit Peter Mender, Präsident des Katholischen Familienverbandes und zweifacher Vater: „Kinder beim Aufwachsen zu begleiten, ist eine unglaubliche Bereicherung fürs eigene Leben. Wir wollen Mut zum Kind machen, damit junge Menschen diese Erfahrung ebenfalls machen können.“

