Sparen im Gesundheitssystem: Familien zahlen den Preis
„Dieses Beispiel zeigt, wie sehr Familien von den geplanten Einsparungen der Österreichischen Gesundheitskasse betroffen sind und für welch große Verunsicherung die fehlende Kommunikation sorgt“, kritisiert Peter Mender, Präsident des Katholischen Familienverbandes, nicht nur die bereits beschlossenen Leistungskürzungen durch die Gesundheitskasse, sondern auch die fehlende Information darüber. Fix ist, dass seit 1. März die Kostenübernahme von Zahnregulierungen eingeschränkt ist, Details darüber sind derzeit noch keine bekannt.
Besonders abzulehnen ist für den Katholischen Familienverband eine weitere Kürzung, die ausschließlich Familien betrifft, und zwar der Familienzuschlag beim Krankengeld. Bisher erhielten Alleinerziehende und Versicherte mit Kindern, deren Partner/in kein Einkommen hat, ab dem 43. Tag einen Zuschlag von 10 Prozent; auch dieser ist seit 1. Mai Geschichte: „Eine Maßnahme, die Alleinerziehende und Familien, in denen nur ein Elternteil erwerbstätig ist, trifft. Das ist zynisch und der falsche Weg“, übt Mender deutliche Kritik.
Ab Mai soll es dann die nächsten Einsparungen geben: Krankentransporte werden nur mehr bezahlt, wenn eine entsprechende ärztliche Transportanweisung über die Gehunfähigkeit der Patienten vorliegt, fehlende öffentliche Verkehrsmittel sind kein Grund mehr für eine Übernahme. Steigen soll auch der Selbstbehalt bei Zahnersatz. Beruhigend für den Familienverband ist, dass Krankentransporte für Kinder nicht von der Kürzung betroffen sind, wie eine Nachfrage bei der Gesundheitskasse ergab.
„Das Leben wird Schritt für Schritt teurer und besonders betroffen sind die Familien, denn sie müssen – anders als die ebenfalls betroffenen Senioren – 2026 und 2027 ohne Inflationserhöhung ihrer Familienleistungen auskommen“, so Mender und verweist auf entsprechende Berechnungen des Familienverbandes: „Eine Familie mit drei Kindern verliert durch die Nicht-Valorisierung rund 240 Euro pro Jahr – und das bei diesen gestiegenen Kosten“, so der Familienverbandspräsident.
Für ihn ist klar – bei den anstehenden Verhandlungen des Doppelbudgets muss eine deutliche Erhöhung der Familienleistungen eingerechnet werden. „Wir haben mehrmals darauf hingewiesen, dass eine Senkung der Dienstgeberbeiträge zum Familienlastenausgleichsfonds den finanziellen Spielraum für Familienleistungen einschränkt. Das darf jetzt aber nicht bedeuten, dass die Familien der erste Sparposten auf der Liste des Finanzministers sind“, so Mender und kündigt an, als Familienorganisation das geplante Doppelbudget ganz genau auf seine Familienfreundlichkeit abzuklopfen.
Aktuell kämpft Österreich mit einem historischen Tiefstand der Fertilitätszahlen und will dringend gegensteuern: „Junge Paare brauchen Planbarkeit und verlässliche Rahmenbedingungen für ein Ja zum Kind. Ein Vorgehen wie das der Krankenkasse schwächt das Vertrauen in das System massiv, wenn Menschen nicht wissen, auf welche Leistungen sie sich in Zukunft eigentlich noch verlassen können“, fürchtet Mender.

